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Afghanistan - nach Pakistan

Die Reise nach Pakistan führte uns über Jalalabad, den Khyberpass, Peshawar und Swat bis an die Mündung des Kabulflusses in den Indus und wieder zurück nach Kabul:

[Bild: Der Turm von Chakri]Wir wollten eigentlich am Montag, den 30. Oktober früh morgends aufbrechen, bekamen aber eines der notwendigen Papiere erst im Laufe des Vormittags (Das Bild links zeigt den Turm von Chakri, der leider im Jahr 1998 umstürzte aufgrund nicht erfolgter Restaurationsarbeiten ). So konnten wir erst mittags losfahren, was insofern ganz gut war, als wir für Martin den letzten Tag vor den Herbstferien nicht schulfrei zu nehmen brauchten (es gab damals eine sehr gute deutsche Schule in Kabul, die nicht nur von den Kindern der Entwicklungshelfer besucht wurde!).

Wir fuhren zunächst von Kabul nach Jalalabad, die Stadt, in die sich die reichen Afghanen zurückziehen,[Bild: Am Kabulfluss entlang] wenn es ihnen im Winter in Kabul zu kalt wird. Kabul liegt 1000m hoch und Jalalabad nur 550m. Die Straße führt am Kabulfluss entlang durch eine tief eingeschnittene Schlucht - das Gefälle des Flusses ist von den Deutschen für ein Elektrizitätswerk, eines unserer Hauptentwicklungshilfeprojekte in Afghanistan, genutzt worden -, dann an zwei großen Stauseen vorbei in die Ebene hinunter.

Landschaftlich schien uns diese Ecke der lieblichste und fruchtbarste Teil Afghanistans zu sein. Überall sah man riesige Wasserbüffel, dafür kaum noch Kamele (Dromedare ?). Von Jalalabad ist es nicht mehr weit bis zur Grenze, aber da unser Auto ziemlich langsam fuhr (ein VW-Bus), kamen wir erst in der Dunkelheit an der Grenze an (ca. 18 Uhr). Die Afghanen ließen uns ohne weiteres passieren, machten uns aber darauf aufmerksam, dass wir wohl kaum nach Pakistan hineingelassen würden, da nach Einbruch der Dunkelheit niemand mehr den Khyber-Pass passieren dürfe, der direkt hinter der Grenze [Bild: Am Khyber-Pass]liegt und seit Jahrtausenden zu den am Härtesten umkämpften Passübergängen gehört, da der Besitz des Passes gleichbedeutend mit dem freien Zugang in die Ebene des Fünfstromlandes und damit auch nach Indien ist. Bereits Alexander der Große hat hier das Gebirge überquert und überall an den Felsen sieht man Erinnerungsplaketten englischer Regimenter, die hier gekämpft haben. Und tatsäcjlich, die Pakistanis ließen uns nicht mehr durch!!! So war es also nichts mit einer Übernachtung im first class Hotel in Peshawar, sondern wir mussten zurück hinter die afghanische Grenze, wo in der Passstelle ein kleines "Hotel" eingerichtet ist, weil so etwas wohl häufiger passiert. es war ziemlich primitiv, und es war uns nicht ganz klar, wieviele leute schon in derselben Bettwäsche geschlafen hatten, aber "in der Not frisst der Teufel Fliegen"...

Am nächsten Morgen klappte alles reibungslos und wir waren etwa um 11 Uhr [Bild: In Peshawar]in Peshawar, einer Stadt, die wesentlich geprägt ist vom englischen Kolonialstil. Überhaupt trifft man in Pakistan auf Schritt und Tritt auf die Spuren, die die Engländer zurückgelassen haben. Viele Europäer, die in Kabul leben, sagen häufig, dass das, was Afghanistan fehle, einige Jahrzehnte englischer Kolonialherrschaft seien, was sicher in mancher Hinsicht stimmt, von den Afghanen aber verständlicherweise nicht gerne gehört wird!

Wegen unseres völlig durcheinander geratenen Zeitplanes entschlossen wir uns,[Bild: In Swat] nicht in Peshawar zu bleiben, sondern gleich weiter nach Swat zu fahren. Swat ist ein kleines, fast selbständiges Gebiet im Norden Pakistans. Es ist berühmt als "Musterländchen" und durch seine landschaftliche Schönheit. Beides können wir nur bestätigen. Wir sahen saubere Dörfer, auch im kleinsten Dorf eine moderne Schule und eine Polizeistation, viele Krankenhäuser (jedes mit einem großen Schild "family planning officer" ("Familienplanungsbeamter" - um das Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen)), jede Ecke des Bodens landwirtschaftlich genutzt (Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr, usw.).

Wir fuhren auf einer asphaltierten Straße bis Saidu Sharif, wo es ein staatliches Hotel "under European Management" gibt. Ein ausgezeichnetes Hotel mit "morning bed tea" und allen Schikanen.[Bild: Die Schweiz Asiens] Am nächsten Tag sind wir weiter nordwärts ins Gebirge gefahren, bis wir nicht mehr weiter kamen, weil eine Brücke vom Wasser weg geschwemmt war. Man nennt diesen Teil von Swat auch "die Schweiz Asiens". Wir kamen bis auf eine Höhe von 2700m und die umgebenden mit Schnee bedeckten Berge hatten eine Höhe von 6000 - 7000m. Im Unterschied zu den Alpen ist es aber selbst in einer Höhe von 3000m nicht kalh, sondern herrlich bewaldet. Wir haben diesen Tag sehr genossen, obwohl wir fast nur gefahren sind.

Swat ist aber nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern hat auch kulturhistorisch einiges zu bieten. Es ist in den ersten Jahrhunderten nach der Geburt Christi ein buddhistisches Zentrum gewesen und man hat bei Ausgrabungen wundervolle Plastiken gefunden, die stark griechischen Einfluss zeigen und als Gandhara - Kunst bekannt sind.[Bild: Ruine bei Udegram] Wir haben eine Ausgrabungsstelle besucht, wo man eine große Stupa umgeben von zwanzig kleineren, gefunden hat, die mit herrlichen Kunstwerken geschmückt waren. Auf der Rückreise nach Peshawar haben wir in Udegram die Ruinen einer alten Stadt besichtigt, die hoch oben auf einem Bergrücken oberhalb des Swattales liegt. Unser Auto haben wir am Fuß des Berges stehen lassen. Als wir zurück kamen, war ein Fenster eingeworfen und jemand hatte das ganze Auto durchwühlt. Da Koffer, Aktentasche, Portemonnaie und Kameras noch da waren, dachten wir zunächst, es wäre nichts gestohlen worden, bis sich dann herausstellte, dass unser Reisenecessaire mit allen Waschsachen, Medikamenten, etc sowie eine Jacke von mir und ein Pullover von Martin fehlten. Diese Sache hat unseren Eindruck von Swat ein klein wenig getrübt.

Wir sind dann nicht bis Peshawar zurück gefahren, sondern nur bis Nowshara, etwa 20 meilen östlich von Peshawar, wo wir den Kabulfluss überqueren mussten.[Bild: Die Festung Attock] Von Nowshara sind wir noch 20 Meilen nach Osten (Richtung Rawalpindi) gefahren, um die historische Stelle zu sehen, wo der Kabulfluss in den Indus fließt und bei Attock die Eroberer Indiens den Indus überquert haben. Wir waren gerade bei Sonnenuntergang da, und es war schon sehr eindrucksvoll. Der Indus muss im frühjahr ein gewaltiger Strom sein.

Übernachtet haben wir in Peshawar und haben am nächsten Morgen - leider mit viel zu wenig Zeit - den großartigen [Bild: Bazar von Peshawar]alten Bazar durchstreift. Dort hätte ich stundenlang bleiben können. Der Bazar von Peshawar soll einer der schönsten überhaupt sein. Ausserdem haben wir das Museum aufgesucht, in dem die besten Stücke der Gandhara - Kunst gezeigt werden. nach einem ausgiebigen Lunch ging es zurück über den Khyber-Pass - dieses Mal rechtzeitig - und dann im Dunkeln zurück nach Kabul. Etwa 100 Meilen vor Kabul konnte ich es nicht lassen, zu sagen, wie überrascht ich sei, dass das Auto so gut durchgehalten habe. Peng! Im selben Moment hatten wir eine Reifenpanne! Zum Glück hatten wir alles dabei und Erwin (mein Vater) hat den Schaden schnell behoben. Durch die Kabulschlucht hinauf hatte das Auto sehr zu kämpfen, aber gegen 10 Uhr abends hatten wir es dann doch geschafft.

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