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Afghanistan - in's Landesinnere

Die Rundreise in das Landesinnere Afghanistan's führte uns über Band-i-Amir, Kunduz, Mazar-i-Sharif bis nach Herat und über Kandahar zurück nach Kabul:

[Bild: Karte von Afghanistan (Handzeichnung)]

Am Montag, den 9. Oktober sind wir zu unserer Rundreise gestartet. Wir hatten einen Landrover vom deutschen Team (gemeint ist hier das Team der deutschen Entwicklungshilfe, die zu der Zeit sehr aktiv war) zur Verfügung. Mit uns fuhren Dr. Kopitzki, ein deutscher Ingenieur, der am Institut (gemeint ist das Institut für Strahlen- und Kernphysik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität in Bonn) arbeitet und bereits zwei Jahre als Entwicklungshelfer in Afghanistan war, sein achtjähriger Sohn Christian und ein Feinmechaniker, der jetzt als Entwicklungshelfer hier tätig ist.

Zunächst fuhren wir eine halbe Stunde ostwärts auf einer von den Amerikanern gut ausgebauten Straße. Dann ging es auf einer Art Feldweg nordwärts in die Berge, um einen Pass zwischen Hindukush und Koh-i-Baba zu überqueren. In der Nähe dieses Passes gibt es Eisenerz, das aber wegen der ungünstigen Lage vorläufig nicht abgebaut werden kann. Gegen Abend fuhren wir durch ein Flusstal.[Bild: Die Rote Stadt] Plötzlich wurden die Felswände auf der linken Seite des Flussbettes dunkelrot, was besonders bei der Abendbeleuchtung geradezu gespenstisch aussah. Mitten in diesen roten Felsen hat es eine Stadt gegeben, die von den Horden Dschingis Khan's zerstört worden ist. Die Ruinen stehen heute noch und wir sind am übernächsten Morgen zur "Roten Stadt" hinaufgeklettert. Sie liegt ganz phantastisch genau dort, wo zwei Flusstäler zusammentreffen.

Wir haben jetzt noch einige Kilometer ostwärts zu fahren und erreichen unser Hotel in Bamian bereits bei Dunkelheit. Da Bamian 2700m hoch liegt, war es empfindlich kalt, aber wir hatten uns darauf eingerichtet. Die Hotels machen alle einen etwas vergammelten Eindruck, vor allem die "Badezimmer". Das Essen dagegen war ausgezeichnet. Es gibt fast ausschließlich Hammelfleisch, das auf die verschiedensten Arten sehr schmackhaft zubereitet wird. Meistens gibt es Reis dazu.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster guckten, bot sich uns ein phantastischer Anblick. Das Hotel liegt mitten in einer fruchtbaren Ebene auf einer kleinen Anhöhe. Die Ebene wird begrenzt von steilen Sandsteinwänden, in denen in unzähligen Höhlen buddhistische Mönche gehaust haben. Aus den Wänden heraus gehauen stehen dazwischen zwei riesige Buddhastatuen, einer 35m und einer 53m hoch (es handelt sich hier um die zwei Statuen, die die Unesco zum Weltkulturerbe erhoben hatte und die von den Taliban vollständig zerstört wurden).

Nahe beim Hotel liegt auf einem weiteren Hügel die "gelbe Stadt" oder auch "Stadt des Geschreis", die ebenfalls von Dshingis Khan und seinen Horden zerstört wurde. Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen hatten, fuhren wir in zwei Stunden nach Band-i-Amir, "der" Touristenattraktion von Afghanistan.[Bild: Die Seen von Band-i-Amir] Dort liegen in einer Höhe von über 3000m fünf unbeschreiblich blaue Seen, einer immer etwas höher als der vorhergehende. Die Seen sind aber nicht durch einen Bach verbunden, sondern laufen einfach über. Das überlaufende Wasser verdunstet zum Teil (in der sehr trockenen Luft) und es scheidet sich Kalk ab, sodass sich im Lauf der Zeit eine natürliche Staumauer gebildet hat. Man hätte stundenlang auf den Felsen oberhalb der Seen herumlaufen und von dem Blau der Seen doch nie genug bekommen können. Abends fuhren wir zurück nach Bamian ins Hotel. Am nächsten Morgen kamen wir noch einmal an der "roten Stadt" vorbei, auf die wir hinaufgeklettert sind, ums uns eine Vorstellung von der ganzen Anlage machen zu können und den Ausblick zu genießen.

Dann ging es durch ein tief eingeschnittenens, sehr wildes und großartiges Tal nach Doshi, wo wir auf die neue, von den Russen gebaute Straße stießen, die von Kabul über den Salang-Pass nach Norden führt. [Bild: Feuertempel bei Pul-Khumri]Wir fuhren noch bis Khul-i-Khumri, wo wir übernachteten und abends auf Wildschweinjagd gingen, was für die Kinder sehr aufregend, aber leider erfolglos war. In der Nähe von Pul-Khumri befinden sich die Reste eines alten Feuertempels aus der Kuschanidenzeit (etwa 1000 AD). Weiter ging unsere Fahrt nach Kunduz, einem der wenigen Orte, wo sich etwas Industrie (Baumwolle, Margarine, Seife) angesiedelt hat. Kunduz war der nördlichste Punkt unserer Rundreise, schon recht nahe dem Oxus, der die Grenze bildet zwischen Russland und Afghanistan.

Von dort sind wir quer durch die Wüste westwärts nach Mazar-i-Sharif gefahren. Die Fahrt war sehr eindrucksvoll und manche Fata Morgana (Luftspiegelung) hat uns einen fernen Seee vorgegaukelt. Man sah sehr kleine Erdhörnchen, die fast wie Eichhörnchen aussehen, nur mit graubraunem Fell und in Erdhöhlen leben. Sonst haben wir, abgesehen von den riesigen Schafherden, Eseln und Dromedaren wenig Tiere gesehen.

[Bild: Die blaue Moschee von Mazar-i-Sharif]

Mazar-i-Sharif ist bekannt für seine große Moschee, während der Ort selbst ziemlich trostlos ist. Die Moschee, auch "Blaue Moschee" genannt, ist im fünfzehnten Jahrhundert über dem Grab des Khalifen Ali, einem gefeierten Helden des Islams, errichtet worden. Die Moschee ist zwar ein imposantes Bauwerk, aber schlecht restauriert und mit anachronistischem Beiwerk neuerer Zeit geschmückt, wie Neonlampen, Uhren, etc..

[Bild: Die alte Moschee von Balkh]

Sehr viel eindrucksvoller sind die ganz in der Nähe von Mazar gelegenen Ruinen von Balkh. Von Balkh sagt man, es sei die "Mutter der Städte". Man weiß nicht, wie alt Balkh wirklich ist, weil nur noch die Lehm- und und Ziegelmauern der Stadtmauer stehen und man nichts aus ältester Zeit findet, weil der Grundwasserspiegel zu hoch ist. man weiß aber, dass es einst Hauptstadt des Griechisch-Baktrischen Reiches war.

Während wir uns zwei Tage in Mazar aufhielten, sind die beiden jungen Entwicklungshelfer mit dem Landrover nach Herat gefahren. Diese Strecke auch mit dem Auto zu fahren hatte man uns abgeraten, weil Sandstaub, der Mangel an geeigneten Unterkünften und schlechte Straßen zu beschwerlich seien. Wir sind dann am Montag, dem 16. Oktober mit einer viermotorigen Maschine der afghanischen Fluggesellschaft (eine DC7 der Ariana Air) in anderthalbstündigem Flug nach Herat geflogen. Herat spielt insofern eine besondere Rolle unter den afghanischen Städten, als es die einzige der historisch bedeutsamen Städte ist, die auch heute noch Bedeutung hat, was darauf beruht, dass sie der Zerstörung durch Dshinghis Khan entgangen ist.[Bild: Die Moschee von Herat] Herat hat eine wundervolle Moschee. Die Wände sind mit kunstvollen Kachelmosaiken geschmückt. In der Moschee arbeitet eine kleine Gruppe von Handwerkern,, die nach der alten Technik die zerstörten Kacheln erneuert. Außerdem stehen noch vier Minarette der alten Dichterschule. Herat ist unter anderem durch sein literarisches Schaffen berühmt geworden, was sicher auf persischen Einfluß zurück geht.

Von Herat aus führt eine gut ausgebaute Straße über Kandahar nach Kabul. Kurz vor Kandahar sind wir südwärts nach Laschkagar abgebogen, wo wir zwei Nächte übernachtet haben. Laschkagar ist der Hauptsitz der amerikanischen Entwicklungshilfe, die dort das sogenannte Helmandprojekt durchzuführen versuchen. Der Helmand ist ein ziemlich großer Fluss, mit dessen Wasser weite Teile des Landes bewässert werden sollen. Man hat sich wohl gerade diese Ecke ausgesucht, weil aus den Ruinen unzähliger Dörfer zu schließen ist, dass die Gegend früher einmal sehr fruchtbar gewesen sein muss. [Bild: Schlossruine Mahmud's des Großen]In der Nähe findet man die Ruine eines Schlosses von Mhamud dem Großen, der seinen Hauptsitz in Ghazni hatte, wo aber das Klima für die Überwinterung von Kriegselefanten ungeeignet war, sodaß er weiter südlich am Helmand ein "Elefantenquartier" erbauen ließ. Wir haben unterhalb der Ruinen am Helmand einen herrlich faulen Tag mit Sonnenbaden, Schwimmen, usw. verbracht.

Von Laschkagar aus ging es nach Kandahar, dem "Obstgarten" Afghanistans. Dort sollten eigentlich Pferde für uns bereit stehen, um einmal in die Steppe hinaus reiten zu können. Aber die Beschaffung des Sattelzeugs war auf Schwierigkeiten gestoßen, sodaß wir mit dem Pferd eines in Kandahar stationierten Entwicklungshelfers vorlieb nehmen mussten. So haben wir wenigstens alle einmal im Sattel gesessen, was vor allen Dingen den Kindern großen Spaß gemacht hat. Abends haben wir uns von einem Gadi, einem zwirädrigen Pferdewagen,[Bild: Die Siegessäule von Ghazni] zu den Ruinen des alten Kandahar hinausfahren lassen und haben bei Vollmond die vierzig in einen Felsen hineingehauenen Riesenstufen des Moghul Herrschers Barbur erklommen. Hinterher haben wir ganz zünftig in einem afghanischen Lokal Kabab gegessen. Kabab besteht aus kleinen Hammelstücken, die am Spieß über einem Holzkohlenfeuer gebraten werden. Dazu isst man Fladenbrot. Ich war die einzige Frau unter lauter Männern, denn die Afghanin geht ja noch immer verschleiert und kann also nicht in der Öffentlichkeit essen. Von Kandahar fuhren wir über Ghazni, dem früheren Amtssitz Mahmud's dem Großen, nach Kabul zurück.

A[Bild: Eine buddhistische Stupa bei Kabul]lles in allem haben wir viel von den landschaftlichen Schönheiten und den historischen Stätten dieses Landes, aber auch viel über die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten kennen gelernt. Vor allen Dingen aber beschäftigte uns die Frage, inwieweit die Entwicklungshilfe sinnvoll ist und welchge Möglichkeiten der Hilfe sich bieten ( das gilt heute in ganz besonderem Maße, wenn man an die Zerstörungen in diesem Land denkt!)).

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